Schimmel bei Cannabispflanzen: Ursachen, Symptome und wirksame Lösungen

Schimmel gehört zu den größten unsichtbaren Gefahren im Cannabisanbau. Viele Anfänger rechnen mit Schädlingen oder Nährstoffproblemen, doch die meisten Verluste entstehen durch Pilzbefall. Schimmel kann sich im frühen Wachstum, während der Blüte und sogar nach der Ernte entwickeln. Wer versteht, warum er entsteht, wie man ihn sicher erkennt und welche Maßnahmen wirklich helfen, kann seine Pflanzen zuverlässig schützen und teure Ernteausfälle vermeiden. Dieser Leitfaden zeigt Schritt für Schritt, worauf es ankommt.
Was genau ist Schimmel und wie entsteht er
Schimmel ist keine einzelne Art, sondern ein breites Spektrum an Pilzen, die organisches Material abbauen. Wie alle Pilze besteht Schimmel aus feinen Fäden, den Hyphen, die sich zu einem Myzel verbinden. Dieses Myzel wächst dort, wo es Feuchtigkeit, organische Nahrung und wenig Luftbewegung findet. Für Cannabispflanzen heißt das: dichtes Blattwerk, stehende Luft und hohe Luftfeuchtigkeit sind ein idealer Nährboden.
Pilze vermehren sich über mikroskopische Sporen. Diese Sporen schweben ständig in der Luft und sind auch in jedem Growraum vorhanden. Erst wenn die Bedingungen passen, beginnen sie zu keimen. Deshalb ist Schimmel in der Regel ein Umweltproblem, kein Zufall.
Warum Cannabis besonders anfällig ist
Cannabis entwickelt während der Blütephase dichte, harzreiche Blüten, die viel Feuchtigkeit speichern. Wenn diese Feuchtigkeit nicht abtransportiert wird, entsteht ein Mikroklima im Inneren der Blüte. Dort herrschen oft perfekte Bedingungen für Schimmel: warm, feucht und schlecht belüftet. Besonders riskant sind sehr kompakte Indica-Buds, enge Growzelte ohne guten Luftstrom und feuchte Keller oder schlecht gedämmte Räume.
Für Anfänger ist es entscheidend zu verstehen, dass Schimmel nicht von außen kommt, sondern durch falsche Bedingungen entsteht.
Die häufigsten Schimmelarten an Cannabispflanzen
Schimmel ist nicht gleich Schimmel. Im Cannabisanbau treten vor allem vier Typen auf, die unterschiedliche Merkmale haben und unterschiedlich bekämpft werden müssen.
Botrytis (Blütenfäule)
Botrytis ist der häufigste und gefährlichste Pilz im Cannabis-Anbau. Er befällt vor allem die Buds und breitet sich von innen nach außen aus. Weil die Oberfläche oft lange gesund aussieht, entdecken viele Grower den Befall zu spät.
- graue oder braune, weiche Stellen im Inneren des Buds
- bröselige, staubige Strukturen beim Auseinanderziehen
- süßlich-muffiger Geruch
- Blattspitzen in Budnähe werden gelb oder braun
Botrytis entsteht fast immer durch zu viel Feuchtigkeit in dichten Blüten und unzureichende Umluft.
Mehltau
Mehltau tritt vor allem in der Wachstumsphase und im frühen Blütestadium auf. Er bildet eine weiße, pudrige Schicht auf Blättern und kann sich schnell ausbreiten.
- kleine weiße Punkte auf den Fächerblättern
- später großflächig weiße, mehlartige Beläge
- verzerrtes oder verlangsamtes Wachstum
Rußtau
Rußtau entsteht nicht durch die Pflanze selbst, sondern durch Honigtau, die Ausscheidungen von Schädlingen wie Blattläusen oder Weißen Fliegen. Der schwarze, rußige Belag blockiert die Photosynthese und schwächt die Pflanze. Rußtau zeigt indirekt, dass ein Schädlingsproblem vorliegt.
Fusarium
Fusarium ist seltener, aber extrem gefährlich. Dieser Bodenpilz greift die Wurzeln an und führt zu schlagartigem Welken. Er kann ganze Pflanzen innerhalb weniger Tage töten. Häufig tritt er in schlecht belüfteten, dauerhaft feuchten Erden auf.
Wie man Schimmel sicher erkennt
Besonders Anfänger verwechseln oft harmlose Flecken mit Pilzbefall. Drei Punkte sind zuverlässig:
- Farbe: grau, weiß, schwarz oder bräunlich, oft flockig oder puderartig
- Geruch: muffig, modrig, süßlich
- Textur: Botrytis macht Buds bröselig, Mehltau fühlt sich puderartig an
Wenn der Verdacht besteht, sollte der Bud sofort geöffnet werden. Schimmel versteckt sich gern im Inneren.
Ursachen: Warum Schimmel im Growraum entsteht
Die meisten Schimmelprobleme lassen sich auf wenige Faktoren zurückführen. Typische Auslöser sind dauerhaft hohe Luftfeuchtigkeit, fehlende Umluft, zu eng stehende Pflanzen, nasses Laub durch Überkopfbewässerung, zu niedrige Temperaturen bei hoher Feuchtigkeit, mangelnde Hygiene und feuchte Kellerräume ohne Entfeuchtung.
Wie man Schimmel effektiv vorbeugt
Die wichtigste Frage für Anfänger lautet nicht „Wie bekämpfe ich Schimmel?“, sondern „Wie verhindere ich ihn?“. Prävention ist deutlich einfacher als Behandlung.
Indoor-Grow
Indoor hast du die volle Kontrolle. Nutze sie konsequent.
- Hygrometer einsetzen und die relative Luftfeuchtigkeit zwischen 45 und 55 Prozent halten
- gute Umluft mit oszillierenden Ventilatoren sicherstellen
- stark blattlastige Pflanzen früh entlauben
- nasses Laub vermeiden
- Abluftanlage mit ausreichender Leistung betreiben
- im späten Blütestadium die Luftfeuchtigkeit möglichst unter 50 Prozent halten
Outdoor-Grow
Outdoor kann man weniger kontrollieren, aber vieles beeinflussen.
- sonnige, luftige Standorte wählen
- Pflanzen nicht direkt an Wänden oder in Ecken platzieren
- Abstand zwischen Pflanzen halten
- bei Dauerregen provisorische Überdachungen nutzen
- in Töpfen anbauen, um Pflanzen bei schlechtem Wetter zu schützen
- schimmelresistente Genetik bevorzugen
Schimmelbehandlung: Was wirklich funktioniert
Wenn Schimmel entdeckt wird, zählt jeder Moment. Sobald der Pilz sichtbar ist, kann er nicht mehr rückgängig gemacht werden, nur eingedämmt.
Akute Maßnahmen
- befallene Buds großzügig entfernen
- Werkzeuge nach jedem Schnitt desinfizieren
- Pflanzenreste sofort aus dem Raum entfernen
- Luftfeuchtigkeit senken und Umluft erhöhen
Bei Mehltau
befallene Blätter entfernen, Neemöl oder zugelassene Schwefelpräparate einsetzen, Luftfeuchtigkeit stabilisieren
Bei Rußtau
zuerst Schädlinge bekämpfen, anschließend Blätter vorsichtig abwischen
Bei Fusarium
keine Rettung möglich. Pflanze entsorgen und Substrat wechseln
Schimmel nach der Ernte: Risiko beim Trocknen und Aushärten
Selbst perfekt gewachsene Pflanzen können beim Trocknen schimmeln. Zu dicht hängende Buds, schlechte Belüftung oder ungeeignete Gläser beim Aushärten verursachen oft späten Schimmelbefall.
- langsam bei 18 bis 20 Grad Celsius und 50 bis 55 Prozent Luftfeuchtigkeit trocknen
- Buds nicht zu dicht hängen
- im Glas täglich lüften
- Hygrometer in die Gläser legen
Warum dieses Wissen entscheidend ist
Schimmel ist kein Schicksal, sondern ein Problem des Raumklimas und der Pflege. Wer versteht, wie Schimmel entsteht und welche Bedingungen ihn fördern, kann die meisten Befälle verhindern. Gute Kontrolle der Feuchtigkeit, regelmäßige Beobachtung und ein sauberer, gut belüfteter Anbaubereich sind die Schlüssel zu gesunden Pflanzen und einer hochwertigen Ernte.
FAQ
Kann ich schimmlige Buds retten
Nein. Schimmel zerstört das Pflanzengewebe und kann gesundheitsschädliche Stoffe produzieren. Befallene Buds müssen entsorgt werden.
Wie erkenne ich den Unterschied zwischen Trichomen und Schimmel
Trichome glitzern wie kleine Kristalle. Schimmel ist matt, flockig oder puderartig und wirkt grau, weiß oder schwarz.
Ist Schimmel gefährlich für Menschen
Ja. Schimmelsporen können Atemwegsprobleme verursachen. Schimmliges Cannabis sollte nicht konsumiert werden.
Reicht es, die Luftfeuchtigkeit zu senken
Nein. Luftbewegung, Hygiene, Sortenwahl und korrektes Gießen sind genauso wichtig wie die Luftfeuchtigkeit.
Wie vermeide ich Schimmel im Keller
Raum entfeuchten, stabile Umluft mit Ventilatoren einrichten, kalte Zugluft vermeiden und zu dichte Budstrukturen vermeiden.
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